Dieses Jahr begann vielversprechend, voller Tatendrang habe ich Pläne geschmiedet, Termine in den Kalender eingetragen, Urlaub und Freizeitaktivitäten geplant, TODO-Listen erstellt, mir persönliche Ziele gesetzt. Das Leben war einigermaßen berechenbar – so wie immer. 

Und plötzlich war nichts mehr, wie es war. Ich habe eine Zeit lang gebraucht, mich neu zu sortieren. Was nun? 



Ich denke, so wie mir geht es vielen. Die Verlässlichkeit, die Sicherheit, das Vertraute scheint weggebrochen. Wir werden mit realen Ängsten konfrontiert. Und so manches, was uns zuvor Stress gemacht hat, mag uns dagegen nun vielleicht unwichtiger erscheinen. Ich habe Angst um die Gesundheit und das Leben derer, die ich liebe und die mir am Herzen liegen. Das Leben scheint nicht mehr planbar und berechenbar zu sein. Viele Menschen fragen sich, wie es weitergeht, fürchten um ihre Jobs und ihre Existenz, sorgen sich um ihre Freunde, ihre Familie, ihre Gesundheit und vielleicht sogar ihr Leben. Unser gewohnter Alltag ist auf den Kopf gestellt, Pläne verworfen, Urlaube storniert, Einkaufen eine Herausforderung, arbeiten erschwert, Frustrationen und Zukunftsängste sind auszuhalten. Es fühlt sich alles irgendwie irreal an.


Aber genau jetzt sind wir besonders gefordert, all dies anzuwenden, was wir in unserem Leben gelernt haben, unsere persönlichen Stärken und Fähigkeiten einzusetzen, die, davon bin ich überzeugt, in jedem von uns stecken. Die Stärke, auf unvorhersehbare Ereignisse zu reagieren, von der ich in meinen Kursen immer spreche, sich etwas einfallen zu lassen. Ich möchte euch Mut machen, an eure Fähigkeiten zu glauben, mit belastenden Situationen zurecht kommen zu können, jeder auf seine ganz persönliche Art. Egal was kommt, jeder hat innere Stärke in sich, vielleicht braucht sie eine Zeit lang, bis sie sich zeigt, vielleicht fällt uns nicht gleich etwas ein, und das ist auch okay. 

Resilienz, psychische Widerstandskraft, bedeutet auch, sich die nötige Zeit zur Bewältigung von Krisen zu geben. Es fällt schwer, Dinge anzuerkennen, die wir nicht beeinflussen können, aber wir können Lösungen finden, um besser damit umzugehen. Wir können unser Herz und unseren Verstand einsetzen, das zu tun, was sich für uns stimmig anfühlt. Und dies müssen wir nicht alleine tun. 

Es berührt mich, was ich in dieser Zeit sehe an Solidarität und Mitmenschlichkeit, auch an kreativen Lösungen und Ideen, an Mut und Zuversicht. Man weiß es nicht, aber es bleibt zu hoffen, dass dies auch nach der Krise anhält. Vielleicht ist diese Zeit auch eine Chance auf Änderung des Blickwinkels und auf Rückbesinnung auf das, was wirklich zählt. Wie dankbar sind wir momentan für die Dinge, die sich nicht mit Geld bezahlen lassen: ein Lächeln, draußen an der frischen Luft zu sein, die Natur zu genießen, Nachbarschaftshilfe, ein Telefonat mit Freunden, Aufmunterung und sogar Humor, endlich ein Päckchen Mehl zu bekommen ;-) , all die Menschen, die uns durch ihre Arbeit unterstützen. 


 

Auf jeden Fall stimmt diese Zeit nachdenklich. Was ist wirklich wichtig im Leben?

Ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird. Ich habe jedenfalls wieder angefangen, Pläne zu schmieden, ganz zaghaft zunächst, mit offenem Ausgang, was soll ich sonst tun? Auf jeden Fall versuche ich, achtsam die Augen zu öffnen für die kostbaren Dinge, Menschen und Momente im jetzigen Augenblick um mich herum. 

Es mag nicht immer gleich gelingen, vielleicht auch nicht so, wie wir uns das vorstellen, aber vertrauen wir auf unsere persönlichen Fähigkeiten: Empathie, Geduld, Mitmenschlichkeit, Zuversicht, Mut, Kreativität, Bescheidenheit, die Fähigkeit zur Freude, Dankbarkeit, Durchhaltevermögen, Optimismus oder Realismus, innere Stärke, Erfahrung, Weitsicht, Flexibilität, Verständnis und Verstand, auch emotionale Intelligenz, Warmherzigkeit, bestimmte Talente usw. 

Jeder von euch kann irgend etwas besonders gut, nutzt es – und seid zuversichtlich. Schwere Zeiten und Herausforderungen bergen auch (Entwicklungs-)Chancen. Keiner weiß wirklich, was kommt, versuchen wir, das Beste daraus zu machen.